YOGA LEBEN

27. Juli 2021

Endspurt


22. Juli 2021

Kleiner philosophischer Exkurs: Karma – sei nett und meditiere

„Karma“ ist ein Sanskrit-Begriff und meint erst mal nur eine (physische oder geistige) „Handlung” oder „Tat”. Jede Handlung ist also mit Karma verknüpft. Und jedes Gefühl in uns, jeder Gedanke, beeinflusst – mal früher, mal später, mal mehr, mal weniger, mal bewusster, mal unbewusster – unsere Handlungen. Und so verursacht jede kleinste innere Regung Karma:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheit.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.”

Unbekannter Verfasser

In den alt-indischen vedischen Schriften steht, dass Karma die Summe unserer Handlungen ist – sowohl im Hier und Jetzt, als auch in „früheren Leben“. Es kann also sein, dass die schlechten Taten unserer vorherigen Reinkarnation uns dieses Leben schwer machen. Denn wer schlechtes Karma angesammelt hat, dem wird – so sagen es die indischen Religionen Buddhismus, Jainismus und Teilströmungen des Hinduismus – das Leben immer wieder Hindernisse in den Weg legen. Denn so kann das angesammelte schlechte Karma wieder abgebaut werden. 

Auch im Yoga ist man davon überzeugt, dass jemand, der in diesem Leben ein schweres Schicksal erträgt, viel mehr schlechtes Karma abbaut als jemand, der auf einer weichen Couch sitzt und sich des Lebens freut. Und so viel schneller vorankommt auf dem Weg zur Erleuchtung. Diese Art von Denken mag dem einen zynisch vorkommen – einen anderen aber aus tiefster Verzweiflung retten und so schier unerträglichem Leiden einen Sinn geben.

Ziel aller Karma-Gläubigen ist also, kein neues Karma zu produzieren und vorhandene Altlasten abzubauen. Denn wenn deine Taten Karma anhäufen (gut oder schlecht, das ist erst mal egal), dann bedeutet das, dass du immer noch „unfrei“ bist, du bist immer noch Teil des immerwährenden Kreislaufs, der deine Seele wieder und wieder auf die Erde schickt – immer wieder in neuer Gestalt, mit einem neuen Schicksal. Diesen ewigen Kreislauf der Reinkarnation nennt man im Yoga Samsara. 

Vor allem Buddhisten, für die alles menschliche Leben Leid ist, wollen so schnell wie möglich aus Samsara aussteigen. Denn wer das schafft, der beendet nicht nur sein irdisches Leiden, sondern geht auch ins Nirvana ein und ist damit frei von allem, Yogis nennen diesen Zustand Erleuchtung (Samadhi). Der Grund, warum die Buddhisten die menschliche Existenz als leidvoll erleben, ist, dass wir Menschen uns an Irdisches binden – und das ist eben vergänglich. Jeder geliebte Mensch stirbt irgendwann, jede äußere Schönheit vergeht, jeder Besitz kann verloren gehen. Das ist auch der Grund, warum die Buddhisten mithilfe von Meditation und anderen spirituellen Praktiken versuchen, sich von ihrer Bindung an das Irdische zu lösen. Denn wer seine Gedanken durch große innere Disziplin nur noch auf höhere Werte ausrichtet, so seine Bindung an das Irdische nach und nach löst, produziert irgendwann kein neues Karma mehr und baut durch seine spirituelle Praxis alle Altlasten ab – und schafft so (auch ohne großen Schicksalsschlag) den Ausstieg aus Samsara und dem ewigen Karma-Kreislauf mit dem Ziel der vollkommenen Freiheit, der Erleuchtung.

Ob du nun an Karma glaubst oder nicht, der einfachste und beste Weg zur Freiheit, zur Erleuchtung ist auch der zu einem guten Leben: 

  • Mach das Beste aus dem, was dir gegeben wurde und wird – sowohl hinsichtlich deiner Anlangen und Ressourcen, den Ereignissen in deinem Leben und den Umständen in der Welt um dich.
  • Übernimm die volle Verantwortung für alle deine Handlungen, auf allen Ebenen, zu allen Zeiten.
  • Und, am allerwichtigsten: Versuche dabei so liebevoll und rücksichtsvoll gegenüber allen Wesen dieser Welt und der Natur zu sein, wie du nur irgendwie schaffst.

Und wie schafft man das? Da schließt sich der Kreis: Denn die unbestritten und bewiesenermaßen beste Methode, um den Geist so zu kontrollieren, so dass der auch unter ungünstigen Bedingungen ruhig und klar bleibt, ist die Meditation. Denn eigentlich geht es beim Meditieren nur darum: den Geist anzuschirren, anzubinden (Yoga!) , ihn zu kontrollieren und dadurch die Gedanken zur Ruhe zu bringen, so dass sie nicht wie eine Horde wilder Affen durch den Kopf toben. Schon 10 Minuten Meditation täglich haben einen enormen Effekt.

Und wenn du dann noch versuchst, jeden Tag ein bisschen netter – hebe hier mal jemandem die heruntergefallenen Einkäufe auf, lasse dort jemandem lächelnd den Vortritt oder mache jemandem mit schlechter Laune ein kleines Kompliment, vergib jemandem, der nicht so nett zu dir war, sei nachsichtig und verständnisvoll gegenüber denen, die sich gerade ein bisschen blöd benehmen – und dankbar für jedes kleine Fitzelchen Glück, Licht, Liebe, das dir geschenkt wird, zu sein, wartet am Ende die ganz große Freiheit.


16. Juli 2021

Klimakatastrophe hautnah

Und schon war es wieder soweit. Und dieses Mal besonders schlimm. Nicht am Wiesenhaus, aber in vielen Orten NRWs: das Hochwasser. Wir haben mal wieder alle Koffer und Taschen gepackt, alles, was nicht mitgenommen werden konnte, festgezurrt und hochgestellt, Herrn Reuter fahrbereit gemacht und ein Auto zum Wegziehen organisiert. Und den ganzen Tag Nachrichten über das, was das Wasser anrichtet, wenn es nicht mehr zu kontrollieren ist. Schrecklich!

Da die Voraussagen dieses Mal aber so ungenau und es nicht abschätzbar war, wie hoch das Wasser am Wiesenhaus am Ende der Hochwasserwelle stehen wird, entschlossen sich einige meiner Nachbar*innen, auf Risiko zu setzen und dort zu bleiben. Ich drücke euch die Daumen, ihr Lieben!

Die YogaWiese unter Wasser

Wir gingen kein Risiko ein, hängten Herrn Reuter an den Transporter und zogen ihn zurück in seine eigentliche Heimat, nach Aachen. Schließlich sollte ja mein Häuschen sowieso in den nächsten Tagen nach Köln kommen und so ist die Parzelle schon frei für Nirvana.

Kaum in Aachen angekommen, erfuhren wir von Freund*innen, dass das Hochwasser auch nahe Verwandte erwischt hat, die Wohnung kniehoch unter Wasser stand und nicht mehr bewohnbar ist. Da ich bei Mister T. ein sichere Bleibe habe, lag nahe, Herrn Reuter als Notunterkunft zu nutzen. Weil aber noch viele persönliche Dinge im Wowa waren, musste er also erst einmal richtig ausgeräumt und „fremd bewohnbar“ gemacht werden. Wie viel doch in so einen kleinen Wohnwagen passt! Erstaunlich.

Eine vollgepackte Palette später Abschied von Herrn Reuter: DANKE, HERR REUTER! Du warst meine sichere Heimat für mehr als 1 Jahr.

Tschüß, Herr Reuter

Nun sitze ich also in Aachen, meine gesamten Habseligkeiten lagern an 5 verschiedenen Orten, nur das Wichtigste habe ich in ein paar Taschen bei mir und es fühlt sich seltsam an … so ohne eigenes Dach über dem Kopf. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass das Hochwasser mich nicht wirklich erwischt hat, ich einen so tollen Mann habe, der mich bei all meiner Umtriebigkeit unterstützt, und so liebe Freund*innen, die mir sofort Hilfe und Unterkunft angeboten haben. Ab Sonntag wohne ich übergangsweise in Deutz, „hüte“ die Wohnung einer Freundin, die im Urlaub ist, und kann so in Köln weiter meine Yogastunden in Präsenz geben. So ist das Stadtnomadin-Leben …


12. Juli 2021

Feenstaub und Hochwasser

Heute Morgen waren wir auf der Suche nach einer „passenden“ Farbe für meine Duschwände. Neonpink hatte ich mir vorgestellt. Damit ich morgens richtig gut gelaunt unter der Dusche wach werden kann. Aber so einfach war das gar nicht. Neonpink gab’s nämlich nicht. Nicht mal annähernd. Also für eine andere Farbe entscheiden. Vielleicht doch etwas Augenfreundlicher? Eher heller als dunkler. Entschieden habe ich mich dann für Feenstaub. Eine Farbe, die an leckeres Erdbeereis erinnert. Auch eine schöne Assoziation am Morgen.

Feenstaub

Und als ich dann aus Aachen auf den Platz zurückkam, sah ich es schon: der Fußweg direkt am Rhein steht unter Wasser und ist offiziell gesperrt. In den letzten Tagen ist doch ganz schön viel Regen gefallen und es kommt noch mehr. Sogar eine Unwetterwarnung gab es heute schon wieder. Und der Rhein steigt. Die Saisoncamper in der ersten Reihe müssen sich darauf gefasst machen, ihre Plätze in den nächsten Tagen zu räumen. Da bleibt nur wieder zu hoffen, dass es dabei bleibt und wir nicht wieder alle auf den Ausweichplatz müssen.

Wasserstand am Pegel Köln: ab 6,70 Meter Pegelstand müssen alle Kölner Campingplätze geräumt werden.

11. Juli 2021

Ein Hoch auf Mister T.!

Gestern war es soweit: eine Party zu Ehren von Mister T. Nicht nur, dass der beste Mann der Welt Geburtstag hatte, auch dafür, dass er das Tiny House zu 90 Prozent allein entworfen, konstruiert und gebaut hat, gebührte ihm schon längst mal eine schöne Party. Als fettes Dankeschön. Die habe ich versucht, hinter seinem Rücken zu organisieren, was mir nicht ganz gelungen ist … denn wie, zum Teufel, sollte ich alles ums Tiny House herum vorbereiten und aufbauen, wenn der Kerl ständig dort rumhängt?

Der Caterer war noch nicht da, …
aber alles andere
ist bereit.

Das tat der ganzen Überraschung aber keinen Abbruch … um 14 Uhr ging es los und die ersten Gäste kamen. Das Catering war hervorragend, ausgefallenes Fingerfood und leckerste Salate von Groffmanns Genüsse aus Aachen machten alle Anwesenden glücklich. Natürlich floss auch reichlich Alkohol … so, wie es bei einer Party sein muss.

Und ich kann mich nur wiederholen: DANKE, DANKE, DANKE, mein lieber Torsten!!!

Dank niedriger Inzidenzzahl durften wir mit 50 Personen ohne Masken und Abstand feiern, über einen QR-Code konnte sich jede*r ein- und ausloggen, so dass im Falle einer Coronaansteckung alles nachvollziehbar ist.

2. Juli 2021

Es ist soweit: NIRVANA kann besichtigt werden

Hallo TINYHOUSE – Interessierte,
es ist vollbracht – mit dem MeRaumTINYHOUSE haben wir den
„Großen Traum vom Kleinen Haus“ erfüllt.
Diesen Traum möchten wir nun gerne mit Euch teilen und
zu einer Besichtigung des mobilen Eigenheims einladen.
Erfahrt mehr über dieses nachhaltige Projekt,
das die Reduzierung auf das Wesentliche genau auf den Punkt bringt: MeRaumTINYHOUSE
Vereinbart einen Besichtigungstermin, wir freuen uns auf Euren Besuch:

Tel: +49 241 9493613
E-Mail: goergen@meraum.de
MeRaumTINYHOUSE

Schöne Grüße —
Sven Görgen
Geschäftsführer

MeRaum GmbH
Wurmbenden 22-24
D-52070 Aachen

www.meraum.de


28. Juni 2021

Innenausbau

Am Wochenende war ich wieder am Tiny House … der Innenausbau hat verstärkt begonnen und da ich meine Möbel in bestimmten Farben haben möchte, musste ich mal wieder zum Pinsel greifen: weiß, hellgrau, dunkelgrau. Klingt jetzt nicht so spannend, wird aber total schön! Ich bin sicher.

Hach, die Vorfreude steigt … nun dauert’s nicht mehr lange.


15. Juni 2021

EASY LIKE SUNDAY MORNING

Endlich war es letzten Sonntag wieder soweit: Yoga unter freiem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein, auf der Wiese, mit Blick auf den Rhein … herrlich!


13. Juni 2021

Bhakti Yoga

Meine neue Lieblingsbeschäftigung am Wochenende: Die Fassade für’s Haus fertigstellen: das Holz passend zusägen, zur Probe anbringen, alles wieder abnehmen, streichen, trocknen lassen, zweites Mal streichen, wieder trocknen lassen, wieder anschrauben. Bhakti Yoga vom Feinsten …


1. Juni 2021

Home sweet home

Die Inzidenzzahlen gehen runter, die Sonne scheint, der Tiny House-Bau geht in den Endpsurt und ich war gerade mit einer lieben Freundin das erste Mal seit Monaten außer Haus frühstücken. Das Leben kann so schön sein!

Jetzt sitze ich auf meiner Terrasse, genieße den Ausblick auf den Rhein, die Ruhe hier, den Schatten unter meinem wunderschönen Sonnenschirm und bin glücklich.


25. Mai 2021

Krasses Ergebnis

Leute, Leute, was soll ich sagen? Meine Testergebnisse von der Neuropsychologin liegen vor. Ein derart hohes Endergebnis hat sie bisher in dieser Klinik noch nicht gesehen … ist ja krass! Und selbst das Testergebnis zum Zahlengedächtnis – als ich das Gefühl hatte, mir nicht gut Zahlenfolgen merken und rückwärts wiedergeben zu können – war ein Ausreißer. Nach oben. Meine Begabung liege aber eindeutig im sprachlichen Bereich. Das überrascht mich jetzt nicht. 😉

Nun aber ab nach Hause, auf meine Parzelle, zu meinen lieben Nachbar*innen, an den Rhein! Tschüß Duisburg.


15. Mai 2021

Brain-Check

Nachdem ich die BG-Klinikum-Festung endlich erobert habe – dank drölfzig negativer Covid-Tests – bin ich nun seit Dienstag auf der neurologischen Station und werde durchgecheckt: diverse Tests zur Merkfähigkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Grob- und Feinmotorik … Zahlenfolgen merken und rückwärts wiedergeben fällt mir schwer. Kopfrechnen und schriftliches Addieren und Subtrahieren ebenfalls. Und das schon im 10er-Bereich! Was ist denn da los? Andererseits in einem Test so viele Aufgaben in so kurzer Zeit gelöst wie kaum ein anderer, meldet die Psychologin zurück. Das ist doch schon mal nicht schlecht. Was ich mittlerweile aus dem Effeff kann, ist meine Unfallgeschichte erzählen. Ist ja auch nicht so lang. Kann mich ja an den Hauptteil nicht erinnern ;-).

Jetzt erstmal Wochenende, da passiert hier nix. Und Montag geht’s weiter.


7. Mai 2021

Erste Bilanz in diesem Jahr

Eigentlich bin ich ja gar kein Typ, der zurückschaut, Bilanz zieht, aufrechnet …, aber dieses Jahr passiert in kurzer Zeit so viel, dass ich ganz wuschig im Kopf werde, wie in einem Karussell. Und es ist mir gerade ein Bedürfnis, mal anzuhalten, auszusteigen und mir das ganze Treiben von außen anzusehen.

Silvester/Neujahr: Ein wunderbarer Anfang mit den weltbesten Nachbar*innen! Lagerfeuer, Musik, Tanzen, Quatschen, Trinken … ein perfekter Start ins neue Jahr.

Januar: Einen heißersehnten Job ergattert: Yogatherapie in einer psychiatrischen Tagesklinik. Mit sowas von netten Kolleg*innen. Start im Februar. Meine Dankbarkeit kennt kein Ende.

Februar: Hochwasser am Rhein. Innerhalb kürzester Zeit alles packen, Ausweichplatz finden für Herrn Reuter und Raimund, Umzug light nach Aachen.

3 Tage später: Positiver PCR-Test, ich hab Corona! 10 Tage Quarantäne in Aachen. Glücklicherweise niemanden angesteckt und selbst nur leichte Symptome. Vor allem Müdigkeit. Das ist auszuhalten. Doch der Job in der Tagesklinik muss warten. Zum Glück war es kein Grund, mir abzusagen.

Nach der Quarantäne schnell mal zum Wiesenhaus, meine Post checken. Herr Reuter steht zwar noch auf seinem Ausweichplatz, aber meine Wohnadresse ist ja immer noch der Weidenweg. Das Hochwasser ist weg, doch die „Hinterlassenschaften“ auf der Straße zum Platz machen einen Vorderreifen am Auto platt. Also auf den Pannendienst warten, Reifenwechsel, zur Autowerkstatt, neue Reifen kaufen und aufziehen lassen. Den Ausflug hatte ich mir anders vorgestellt. Vor allem nicht so zeitaufwändig und teuer.

Wenigstens kann ich nach negativem PCR-Test endlich den neuen Job beginnen. Dafür wieder Umzug nach Köln, erstmal ins Agnesviertel. Damit ich nicht jeden Tag 150 Kilometer Fahrtweg von Aachen zur Klinik und zurück habe. Wie gut, dass es soooo hilfsbereite Freund*innen gibt!

Am letzten Februar-Wochenende ist endlich das erste Hochwasser des Jahres Geschichte und ich kann wieder zurück zum Platz. Dafür erst einmal die Parzelle sauber machen, dann Herrn Reuter heim ziehen, Raimund aus der hochwassersicheren Garage holen und Rückzug in den Wohnwagen. Puh, geschafft! Jetzt kann der Frühling kommen und das schöne Leben auf dem Campingplatz weitergehen. Denkste.

März: Auf dem Weg zur Klinik Roller-Unfall. Keine Ahnung, was und wie. „Aufgewacht“ im Krankenhaus. Zum Glück nur leichte Verletzungen. Deshalb auch nach kurzer Zeit wieder entlassen. Doch irgendwie habe ich Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Abgesehen davon, dass mein ganzer Körper schmerzt. Einen Yoga-Bildungsurlaub zu unterrichten, der bereits seit Monaten fest in meinem Kalender stand, war auf keinen Fall drin. Also absagen und auf Einnahmen verzichten.

Ich traue mich nicht, auf meinen lädierten Roller zu steigen, lasse ihn also im Transporter zur Werkstatt bringen. Mal sehen, wie schlimm seine „Verletzungen“ sind. Leider (wirtschaftlicher) Totalschaden. Die Lenkung hat einen „Schlag weg“, das Frontblech ist gerissen … um ihn wieder in seinen „Neuzustand“ zu versetzen, müsste ich so viel investieren, dass es den Wert des Rollers übersteigt. Und nun? Ich entschließe mich schweren Herzens, ihn zu verkaufen. Und hoffe, dass ein*e Bastler*in Spaß an ihm hat. Btw: Verkauft ist er bis heute nicht.

Nach einer ruhigen Woche, in der ich schon wieder meinen neuen Job pausieren musste, um mich vom Unfall zu erholen, samstagsabends hohes Fieber. Fast 40 Grad! Dank eines wunderbar unkomplizierten und hilfsbereiten Arztes in Aachen – denn ich war mal wieder übers Wochenende bei Mister T. zur Erholung – schnelle Diagnose und hilfreiche Medikamente: Antibiotikum gegen Nierenbeckenentzündung. Danke, Dr. Dupont!

Aber Yoga mit Nierenbeckenentzündung und immer noch schmerzendem Körper … no way. Also wieder keine Einnahmen. Und als Neugründerin auch keinen Anspruch auf staatliche Hilfen bezüglich Corona. Ich könnte fast schlechte Laune bekommen.

Um nicht in finanzielle Nöte zu geraten, arbeite ich in den zwei Wochen darauf doppelt: so viele Stunden in der Klinik wie möglich, abends meine eigenen Kurse. Erfreulicherweise möchte jemand, der den Bildungsurlaub bei mir gebucht hatte, diesen als Privatunterricht nachholen, also eine Woche lang halbtags zusätzlich noch einen Bildungsurlaub online geben. Danach bin ich urlaubsreif.

April: Als Klinikmitarbeiterin bekomme ich unerwartet die Möglichkeit, mich impfen zu lassen – yeah! Ich ergattere direkt für samstagsabends einen Termin und düse aus Aachen zum Impfzentrum nach Köln. Unterwegs merke ich, dass ich vor lauter Freude über den raschen Termin vergessen habe, dass ich ja bereits Corona hatte und es dann mit der Impfung anders läuft. Nämlich offiziell erst ein halbes Jahr später. Um das Immunsystem nicht zu überfordern. Und so bekomme ich im Arztgespräch mitgeteilt, dass ich erst im August geimpft werde, wenn meine Covid-Erkrankung sechs Monate vorüber ist. Was für eine Enttäuschung. Auch wenn der Arzt versucht, mich damit zu trösten, dass meine Erkrankung quasi die erste Impfung war.

Apropos urlaubsreif: Auch wenn ich auf einem Campingplatz wohne, einem Ort, an dem andere Menschen Urlaub machen, möchte ich mal raus. Ans Meer. Frischen Wind um die Nase wehen lassen. Aber Ost- und Nordsee sind tabu, hohe Inzidenzzahlen in ganz Europa machen das Verreisen im Moment fast unmöglich. Außer nach Mallorca. Ausgerechnet.

Aber egal. Über einen Yoga-Reisen-Veranstalter finde ich eine Reise nach Mallorca, die sich richtig gut anhört. Auf eine einsame Finca mit Gleichgesinnten. 3 Stunden Yoga am Tag, vegetarisches und veganes Essen. Gutes Wetter. Kurzer Flug. Und ganz schön teuer. Aber auch das: egal. Hauptsache Urlaub nach dieser völlig verkorksten Zeit. Vorsichtshalber noch eine Reiserücktrittsversicherung mitgebucht. Man weiß ja nie. Für den Flug dann 48 Stunden vorher rasch einen PCR-Test machen, sonst darf man nicht in den Flieger. 12 Stunden später ruft mich mein völlig enttäuschter Freund an: sein Testergebnis ist positiv. Ach du Schreck. Das hatten wir nicht erwartet, schließlich hat er sich schon im Februar nicht bei mir angesteckt, obwohl wir die Quarantäne gemeinsam verbracht haben. Und jetzt doch. Zum Glück wenig bis keine Symptome. Aber Urlaub auf Mallorca kannste vergessen.

Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass die ganze Welt mitsamt Universum sich gegen mich verschworen hat. Wann, bitte schön, hört das endlich auf?

Weil mein Roller-Unfall ein Wegeunfall zur Arbeit war, ist die Berufsgenossenschaft, in der ich seit Beginn meiner Selbstständigkeit freiwillig versichert bin, zuständig für die Folgen meines Unfalls. Aber anstatt mir – wie von mir gewünscht und von meiner Ärztin in ihrem Bericht an die BG empfohlen – Osteopathie und Somatic Experience zu genehmigen, schickt mich die BG in ihr Klinikum nach Duisburg zum Brain-Check. Was auch immer das ist. Aufgrund meiner Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, die meine Ärztin auch in ihrem Bericht erwähnt hat. Na ja, klingt ja irgendwie auch interessant, warum also nicht. Lasse ich mal mein Brain checken.

Mai: Als die schriftliche Einladung der Klinik zum Brain-Check eintrudelt, falle ich fast vom Stuhl. Einen Tag lang Vorgespräche und -untersuchungen, anschließend 10 bis 14 Tage stationärer Aufenthalt in Duisburg. 10 bis 14 Tage???? WHAT? Das kann nur ein Versehen sein. Ist es aber nicht. Okay, ich lasse mich darauf ein, will aber versuchen, in den Vorgesprächen die Aufenthaltszeit etwas zu reduzieren. Um nicht schon wieder Honorareinbußen zu haben. Oder kann ich aus dem Krankenhaus online meine Yogastunden unterrichten? Nein, wird mir direkt mitgeteilt, das gehe nicht. Nun gut, das bekomme ich irgendwie hin. Schließlich interessiert mich, was mit meinem Brain so los ist.

Zum Vorgespräch fahre ich mit dem Auto, eine Stunde Fahrtzeit.  Bin superpünktlich an der Pforte und werde erst einmal wie eine Aussätzige behandelt, weil ich in dem Coronafragebogen der Klink wahrheitsgemäß angegeben habe: ja, ich hatte Covid. Und ja, mein Lebensgefährte hat gerade im Moment Covid. Dass mein aktueller Test für den ausgefallenen Urlaub negativ ist, zählt nicht. Dass ich genesen bin, zählt nicht. Bitte verlassen Sie das Klinikgebäude und warten Sie draußen auf unsere Entscheidung, wie weiter mit Ihnen zu verfahren ist. WHAT? Nach einer Stunde Warten kommt endlich die Sekretärin der Neurologie und schickt mich zum Coronatest ins klinikeigene Testzentrum. Schnelltest, aha. Ne, PCR. Die Auswertung geht schnell, dauert nur zwei Stunden bei uns. Die müssen Sie so lange außerhalb des Gebäudes abwarten. Dann sehen wir weiter. Ey, Leute, geht’s noch?
Doch es geht schneller als gedacht, die Sekretärin fängt mich nach dem Test direkt wieder ab und verkündet, dass man beschlossen habe, dass ich das Gebäude heute nicht mehr betreten dürfe. Alle Gespräche fallen aus, mein Termin und stationärer Aufenthalt werden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Auf der Rückfahrt ruft mich das Testzentrum der Klinik an: mein Testergebnis ist negativ. Na klar, was sonst? Wieder zuhause bekomme ich eine Mail von der Sekretärin: Schön, dass Sie negativ sind. Wenn Ihr Lebensgefährte am Samstag (das Ende seiner Quarantäne) ein negatives Testergebnis vorweisen kann, dürfen Sie am Dienstag wie geplant zum stationären Aufenthalt kommen. Sein Testergebnis ist negativ. Es gibt allerdings nur ein Bildschirmfoto aus der CoronaApp als Nachweis. Ob das reicht? So langsam macht sich in mir Fatalismus breit.


23. April 2021

Dieses bekloppte Jahr

Es hört nicht auf, mich zu triezen … nun hat der weltbeste Mann ein positives PCR-Testergebnis und damit fällt unsere für kommende Woche geplante Yoga-Reise nach Mallorca aus.

Alles wieder stornieren, zusehen, dass wir das Geld für Flüge und Reise zurückbekommen, wieder in Quarantäne, wieder nicht in der Tagesklinik arbeiten können, wieder hoffen, dass die Erkrankung nur ganz leicht – oder sogar symptomlos – verläuft …

Und auch, wenn ich versuche, es yogisch zu nehmen: Man, bin ich froh, wenn DIESES Jahr vorbei ist!!


13. April 2021

Traumatherapie und Somatic Experience

Mittlerweile sind alle äußeren Verletzungen weitestgehend verheilt, die Fäden gezogen, das Leben hat fast wieder seinen normalen Gang aufgenommen … doch die Erinnerung bleibt weg. Einfach ein dunkler Fleck auf der inneren Landkarte. Irgendwie unheimlich.

Die Traumatherapeutin aus der Klinik hatte mir empfohlen, Somatic Experience auszuprobieren, um über den Körper das Trauma des Unfalls zu bearbeiten und erträglich zu machen. Nicht ständig darüber zu grübeln, was wohl passiert ist, sondern Frieden zu schließen mit dem dunklen Fleck und der Unsicherheit, die damit verbunden ist.

Letzte Woche war ich bei der von ihr empfohlenen Somatic Experience-Therapeutin. Für mich als durchpsychoanalysierten Menschen, der alles über den Verstand lösen möchte, war es eine interessante Erfahrung … Gefühle nicht anschauen und durchleuchten, sondern spüren und hineinfühlen. Bilder für die Gefühle finden und diese im Körper lokalisieren. Und dann diese Bilder willkommen heißen, als Teil von mir.


10. März 2021

Was will mir das Leben gerade mitteilen?

Das verrückte Coronajahr 2020 scheint noch nicht gereicht zu haben, das Leben möchte mir etwas mitteilen …. aber was?

Letzten Mittwoch hatte ich einen Unfall. Mit meinem Roller „Raimund“. Und ich weiß nichts mehr. Alles ist schwarz. Aufgewacht bin ich auf der Intensivstation. Beim ersten Anblick im Spiegel ein kleiner Schock: Viele Verletzungen und Krusten im Gesicht, genäht an Augenlid und Kinn. Und keinerlei Erinnerung an das, was passiert ist.

Die Ärztin erklärt mir zum dritten Mal, warum ich im Krankenhaus liege. Dann kann ich es mir endlich merken. Das Atmen fällt schwer, die linke Seite meines Brustkorbs ist geprellt und überhaupt tut alles weh. Aber ich habe Glück gehabt: Es ist nichts gebrochen und keine bleibenden Schäden, wie es aussieht.

Aber was ist passiert? Wer hat mich gefunden? Gibt es andere Beteiligte? Was ist mit meinem heißgeliebten Rollerchen? Fragen über Fragen, die sich zum Teil schon beantwortet haben, der andere Teil wird vielleicht für immer im Dunkeln bleiben. Wer weiß …

Nach drei Tagen Überwachung und Beobachtung wurde ich schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Krusten fallen langsam ab, das Atmen wird leichter … und mit Hilfe einer Traumatherapeutin werde ich versuchen, das Erlebte und vielleicht auch das Nicht-Erinnern-Können zu verarbeiten.


01. März 2021

Auf der Parzelle, in der Sonne

Endlich wieder am Wiesenhaus. Zurück auf der kleinen Parzelle. Alle lieben Nachbar*innen gesehen, gesprochen, News ausgetauscht, Kaffee getrunken und gefreut :-).
Die Sonne scheint, der Rhein fließt ruhig in seinem Bett und die Vorfreude auf den Frühling und den Sommer steigt …


26. Februar 2021

Zurück nach Hause

Genau 1 Jahr, nachdem ich mich um eine Parzelle auf dem Campingplatz „beworben“ hatte, ist nun vergangen. Und im Rückblick stelle ich fest, dass dieses ereignisreiche, total verrückte Corona-Jahr auch mit mir ganz viel gemacht hat: Ich war happy, enttäuscht, wütend, genervt, freudig, gelassen, angekommen … die halbe Gefühlspalette hoch und runter. Nun sitze ich in meiner „Hochwasser-Ausweich-Wohnung“ (DANKE, liebe Alina und lieber Dieter, dass ihr mir ein Zuhause auf Zeit gegeben habt!), sammel meine sieben Sachen zusammen und freue mich total darauf, am Wochenende wieder nach Hause zu ziehen. An den Fluss, auf meine kleine Parzelle, mit meinen tollen Nachbar*innen, mit Herrn Reuter und bald dann mit Nirvana, dem schönsten Tiny House der Welt ;-).


23. Februar 2021

Vorbereitung für die Rückkehr

Das herrliche Wetter am Sonntag haben wir dazu genutzt, unsere Parzelle wieder auf Vordermann zu bringen … festgebackenen Schlamm wegkratzen, Terrasse fegen und die Wiese bzw. den Garten von angeschwemmten Treibgut befreien. Nächsten Samstag geht es zurück nach Hause. Für Herrn Reuter und für mich.

Und während ich diese Woche einen neuen Job als Yogalehrerin in einer Tagesklinik begonnen habe, baut Mister T. fleißig am Tiny House weiter.

Der Technikraum det Janzen: die Deichselkiste.

15. Februar 2021

Erstes Hochwasser und Corona überstanden

Letzter Tag der Quarantäne … morgen geht hoffentlich das „normale“ Leben wieder los. Ob wir allerdings Herrn Reuter schon am kommenden Wochenende wieder auf seine Parzelle ziehen, ist noch nicht sicher. Was ist, wenn eine 2. Hochwasserwelle kommt? Und wir wieder den Platz räumen müssen? Wir warten lieber noch ein bisschen …


10. Februar 2021

Das Leben ist (k)ein langer ruhiger Fluss

Während ich es in Aachen trocken und warm habe, stieg das Hochwasser weiter. Selbst meine Parzelle, die auf dem Campingplatz mit am höchsten liegt, steht komplett unter Wasser.

Und weil ich nach der ganzen Platzräumungsaktion am Samstag und Sonntag etwas Kopf- und Halsweh hatte, bin ich vorsichtshalber – und meiner Intuition folgend – am Freitag in Aachen zum Coronatest gegangen. Samstagabend war klar: Ich habe mich angesteckt! Mit Covid-19. OMG!

Was dann für eine Maschinerie losging, hatte ich nicht erwartet: Anrufe von Gesundheitsämtern (Köln, weil ich dort als wohnend gemeldet bin; Aachen, weil ich dort den Test gemacht habe); Listen ausfüllen mit Kontaktpersonen; Menschen anschreiben, mit denen ich Samstag und Sonntag Kontakt hatte; alle in Quarantäne per städtischer Verordnung …

Zum Glück scheine ich niemanden angesteckt zu haben, meine liebsten Menschen haben direkt Schnelltests gemacht (und sind alle negativ!) und ich selbst habe nur leichte Erkältungssymptome. Auch Mister T. hat sich – seltsamer- und glücklicherweise – nicht bei mir angesteckt, muss aber als meine engste Kontaktperson mit mir in Quarantäne. Der Weiterbau meines Tiny Homes muss also ein bisschen warten …

Küchenblock mit Heizung
Hanfdämmung

4. Februar 2021

Hier kommt die Flut

Am Sonntag war es tatsächlich das erste Mal soweit: Hochwasser naht, der Campingplatz musste bis abends komplett geräumt werden.

Zum Glück habe ich einen hilfsbereiten und zuverlässigen Sohn, der angepackt hat!

Und nicht nur mein Sohn, sondern auch mein allerliebster Cousin sowie liebe Freundinnen, die anderen Bewohner*innen und selbstverständlich mein Mann haben geholfen, wo sie konnten. So durfte ich meinen E-Roller „Raimund“ in einer Garage in der Südstadt unterstellen, der Wohnwagen „Herr Reuter“ wurde nach Rath in einen trockenen Vorgarten gezogen und ich selbst bin mit ein paar Taschen mit den notwendigsten Sachen nach Aachen.

Später bekamen wir dann per Bild Updates zum Hochwasser von unserem Platzwart, der tapfer die Stellung am Wiesenhaus hält:


27. Januar 2021

Es wird spannend

Das Leben so nah am Rhein hat auch seinen Preis: Bei Hochwasser muss der Platz geräumt werden.

Die Prognose sagt für nächste Woche Rheinhochwasser voraus, das bedeutet für uns Bewohner*innen, dass wir den Campingplatz komplett räumen und auf einen Ausweichplatz ziehen müssen. Ganz schön aufregend für uns Neuen, die den ganzen Brassel das erste Mal mitmachen!

Heute Abend setzen wir uns zusammen und besprechen, was zu planen und zu tun ist …


17. Januar 2021

Winter am Rhein

Der erste Schnee … gut, dass die Heizung im Wohnwagen funktioniert!


8. Januar 2021

Nirvanas Innenleben


21. Dezember 2020

Wintersonnenwende

Heute ist Wintersonnenwende, die längste und dunkelste Nacht des Jahres … was gleichzeitig bedeutet, dass ab heute die Tage wieder länger werden. Und heute beginnt die magische Zeit der Rauhnächte!

Eine Zeit der Besinnung, Rückschau, Einkehr, des Loslassens, des Zu-sich-kommens und des Neubeginns.

Was möchtest du im alten Jahr hinter dir lassen und was möchte im neuen Jahr ans Licht?

Bei mir ist es meine Selbstständigkeit als Yogalehrerin, die noch einmal deutlich nach vorn möchte. Davon – auch materiell – leben können, was mein Herz berührt und mir so viel gibt: praktizieren, unterrichten, meditieren. Gemeinsam.

Namasté


Im Dezember 2020

Es geht voran

Während ich weiter an meiner Selbstständigkeit als Yogalehrerin und -therapeutin feile, ist Mister T. fleißig beim Hausbau: Schlafzimmer- und Küchenfenster sind drin!


Im Oktober 2020

Endlich von der ZPP zertifiziert

Im Oktober bekam ich endlich den positiven Bescheid von der Zentralen Prüfstelle Prävention, dass meine Yogakurse zertifiziert sind und die Teilnahmegebühren teilweise oder sogar ganz von den Krankenkassen erstattet werden können. Was für eine Freude!


Im September 2020

Ein neues Zuhause für Yoga

Nachdem Corona das ganze Leben irgendwie über den Haufen warf, Pläne, die ich Ende 2019 noch geschmiedet hatte, nun irgendwie nicht mehr passten, entschloss ich mich im August, ein neues Zuhause auch für meine Yoga-Angebote zu suchen. Und wieder fügte es sich.

Ich schaute mir einen Raum in der Südstadt an, fand den Ver- und Mitmieter auf Anhieb megasympathisch und bezog zum 1.9. den „feel Freiraum“ am Severinskirchplatz 8.

Es etablierten sich dort recht schnell zwei Yogakurse dienstagsabends, so dass es ab 2021 zwei weitere Yogakurse mittwochsabends geben wird.

Außerdem akquirierte ich einen weiteren Unternehmenskunden, für den ich im hauseigenen Studio Yoga anbiete. Yoga nimmt also nach und nach einen immer größeren Platz auch in meinem Jobleben ein.


August bis November 2020

Das Tiny House wächst und gedeiht

Zum Geburtstag wünschte ich mir dann eine Trocken-Trenn-Toilette für mein Haus. Was definitiv die beste Lösung für ein Haus ohne Frisch- und Abwasseranschluss ist. Und zack, war sie schon angekommen und probeweise am dafür vorgesehenen Örtchen aufgestellt. 😉

Und am 3. September feierten wir Richtfest. Der Architekt, Schreiner, Planer und Erbauer, die One-Man-Show Mister T. und ich (die Bauherrin) ließen die Korken knallen, Torsten hielt eine sehr schöne Rede, die Champagnergläser zerdepperten wir – wie es sich gehört – an der Deichsel des Trailers. Alles in allem ein sehr bewegender Moment!


17. Juli 2020

Vom Papier auf die Straße

Endlich ging’s los: Trailer (Anhänger) gekauft, angemeldet und dann los nach Hamburg, das Fundament meines Hauses abholen. Wir brachten den Trailer direkt nach Aachen, in die Halle, in der auch der Hausbau stattfinden würde.

Da ich über den Namen für mein Tiny House nicht lange nachdenken musste, war auch das Wunsch-Kennzeichen für den Trailer schnell klar: Yoga Nirvana und selbstverständlich die 108! 🙂


Im Mai 2020

Easy like Sunday Morning – SonntagsYoga auf der Wiese

Da ich als Yogalehrerin im Lockdown erst einmal arbeitslos wurde und viel freie Zeit hatte, konnte ich mich richtig auf mein neues Leben auf dem Campingplatz einlassen. Ich überließ meinem Sohn unsere bis dahin gemeinsame Wohnung, packte meine Sachen und zog richtig auf die andere Rheinseite. In den Herrn Reuter, der so klein ist, dass mir das Tiny House wie ein Palast vorkommen wird. Ich bin sicher.

Gleichzeitig fragte mich die Platzverwalterin, ob ich nicht OutdoorYoga anbieten wolle, sonntagsmorgens auf der Wiese vor dem Café. Mal sehen, wie der Zulauf würde. … und der Zulauf war riesig! Von da an fand jeden Sonntag von 10.00 bis 11.00 Uhr Yoga auf der Wiese statt. Das Wetter spielte einwandfrei mit und es kamen immer mindestens 10, manchmal sogar fast 30 Menschen, die mit mir Yoga praktizieren wollten. Wie toll war das denn? Ich war sehr dankbar, meinen Herzensjob wieder/weiter ausüben zu können. Dazu noch an so einem magischen Ort mit Blick auf den Rhein und netten Menschen. Traumhaft!


Im Lockdown 2020

Was Kurzarbeit mit Tiny Houses zu tun hat

Platz gesichert, nun musste also ein Tiny House her. Campingplatzmitbesitzer Moritz und seine Frau Wibke hatte ich ja schon kennengelernt, sie waren dabei, Tiny Houses zu entwickeln und wollten bald beginnen, in Kooperation mit einer Schreinerei ihre Entwürfe zu bauen und zu verkaufen. Ich war von den beiden so begeistert, dass ich sofort bei ihnen mein Tiny House bestellen wollte. Ein langes und schönes Treffen bestätigte mich. Doch dann kam wieder alles anders.

Mein Mann, Schreiner und Architekt, Projektleiter in einer Messebaufirma, wurde in Kurzarbeit geschickt. Alle Aufträge waren weggebrochen, es gab erst einmal nichts für ihn zu tun. Was lag da näher, als ihm den „Auftrag“ zu geben, mein Tiny House zu bauen? Gesagt, getan … los ging es mit der Planung und dem Entwurf.

Ich wollte auf jeden Fall keine 2. Wohn-/Schlafeben haben, sondern alles auf einer Ebene: Bad, Schlafzimmer, Küche, Wohnbereich. Und da die Grundfläche einerseits durch die Straßenverkehrordnung vorgegeben ist, andererseits klar war, dass auf diesem Campingplatz nur Häuser mit einer maximalen Gesamtlänge von 9 Metern rangieren und aufgestellt werden können, beträgt die maximale Grundwohnfläche 2,50 x 7,20 m … also etwa 15 Quadratmeter. DAS ist wirklich TINY!


Im April 2020

Noch ein Umzug

Es war heiß in Lockdown-Zeiten. So heiß, dass wir gleich kühlen Schatten auf der Parzelle vermissten. Und beim Blick aus dem Schlafzimmer-Fenster fiel mein Blick jeden Morgen auf die Parzelle zwei Grundstücke weiter. Ein Grundstück mit Bäumen, Sonne am Morgen, Schatten am Mittag und Sonne am Abend. Schnell verguckte ich mich in das andere Grundstück und wir durften ein Wochenende dort probewohnen. Der Umzug war schnell bewerkstelligt, der kleine Herr Reuter mit vereinten Kräften auf den neuen Platz geschoben. 5 Minuten später wusste ich: Das ist mein Platz!


Erster Corona-Lockdown 2020

Vom Glück in Zeiten von Corona

Mittlerweile war Corona in Deutschland angekommen und der erste Lockdown drohte. Mein Mann meldete den Wohnwagen direkt an und brachte ihn rasch zum Campingplatz. Zwei Tage später wurde der erste Lockdown verordnet und nichts ging mehr. Wir saßen auf der Terrasse unserer Parzelle, vor Herrn Reuter, die Sonne schien, wir hatten freien Blick auf den Rhein. Ich konnte mein Glück kaum fassen.


Im März 2020

108 und Herr Reuter

Es war zwar nicht Liebe auf den ersten Blick, aber mir wurde in Aussicht gestellt, dass ich auch noch innerhalb des Campingplatzes umziehen könne, wenn mir der Platz doch nicht behagte. Also unterschrieb ich schnellentschlossen den Mietvertrag für die Parzelle. Den Schlüssel für das Tor zum Platz bekam ich ein paar Tage später. Und als Yogini war ich natürlich extrem erfreut, als ich feststellte, dass er die Schlüsselnummer 108 trug.

108 als „heilige“ Zahl im Yoga.
Eine Mala besteht aus 108 Perlen.

1 bedeutet „thing“, 0 gleich „nothing“ und 8 gleich „everything“.
Oder auf deutsch „etwas“, „nichts“, „alles“.

Wenn DAS kein Zeichen war!

Und es ging noch weiter. Da ich ja noch kein Tiny House besaß, schlug die Platzverwalterin vor, bis zum Eintreffen meines Hauses einen Wohnwagen auf die Parzelle zu stellen, um den Platz wenigstens schon einmal nutzen zu können. Ich rief meinen Mann an, um mit ihm zu beratschlagen, woher wir – als totale Wohnwagen-Neulinge – auf die schelle einen günstigen funktionierenden Wohnwagen herbekommen könnten. Und er sagte: „Ich sitze am Schreibtisch und schaue aus dem Fenster direkt auf einen Wohnwagen, der zu verkaufen ist.“ Er kaufte den Wohnwagen am nächsten Tag für einen extrem fairen Preis.

Beim Blick in die Papiere stellten wir fest, dass der Wagen 1970 von Wolfgang Reuter selbst gebaut wurde. Und er hat ihn 50 Jahre lang gehegt und gepflegt. Mit 80 Jahren hatte er dann wohl beschlossen, den Wohnwagen zu verkaufen. Der Wagen war trocken und roch, selbst nachdem er ein halbes Jahr bei jedem Wetter draußen auf einen neuen Besitzer gewartet hatte, wie frisch geputzt. Wir waren sofort schockverliebt in diesen kleinen Wohnwagen. Und selbstverständlich tauften wir ihn „Herr Reuter“.


Im Februar 2020

Das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Ich bin nicht abergläubisch, aaaaaber … von da an fügte sich alles zusammen. Wie in großes Puzzle, das nur darauf gewartet hatte, dass ich das erste Puzzlestück lege.

Am 18. Geburtstag meines Sohnes hatte ich einen Gesprächstermin mit derjenigen, die den Campingplatz verwaltet. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und kurze Zeit später rief sie mich an, um mir zu sagen, dass sie einen Platz für mich habe. Ab 15. März. Noch am selben Tag fuhr ich hin und sah mir die Parzelle an:


Im Januar 2020

Tiny House ist die Lösung

Dann kam im Januar 2020 eine WhatsApp von einer anderen lieben Freundin, mit der ich über meinen Traum, möglichst auf kleinem Raum und nah am Wasser zu wohnen, gesprochen hatte. Im Rahmen der „Passagen“ bot ein Campingplatz auf der rechten Rheinseite einen Tiny-House-Bau-Workshop an, da er sich als Lebensort für Tiny House-Besitzer bekannt machen wollte. Ich war sofort begeistert. Ein Tiny House, na klar, das ist DIE Alternative zum Hausboot!

Sofort nahm ich Kontakt zum Campingplatz auf und schaffte es doch erst am letzten Workshoptag, dort vorbeizuschauen. Im Café traf ich auf Wibke, eine Architektin, die Tiny Houses plant und deren Lebensgefährte Moritz einer der vier neuen Campingplatzbesitzer ist. Mit ihr hatte ich ein supernettes Gespräch und sie riet mir, mich unbedingt um eine Parzelle zu bewerben, auch wenn die Warteliste sehr lang sei. Mein Name stand also als letzter auf der langen, langen Interessentenliste. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf …


gefühlt schon immer

Die Stadtnomadin träumt vom Leben auf einem Hausboot

Schon seit ich ein Kind war und das erste Mal den Film „Hausboot“ mit Sophia Loreen und Cary Grant gesehen habe, träume ich davon, auf einem Hausboot zu leben. In einem Bett einzuschlafen, das sanft auf den Wellen schaukelt. Da ist die Tatsache, direkt an einem großen Fluss zu wohnen, gar keine schlechte Voraussetzung. Dachte ich. Doch so einfach ist das in Köln nicht. Und so begnügte ich mich lange damit, in einer Altbau-Wohnung im Kölner Süden, eben so nah am Wasser wie möglich und gleichzeitig so schön wie möglich, zu wohnen.

Außerdem faszinierten mich schon immer Themen wie Minimalismus, Wohnen auf kleinem Raum, wenig Besitz, viel und weit reisen. Ich war so oft es ging unterwegs. Und wenn ich nicht in fremde Länder gereist bin, bin ich umgezogen. Innerhalb von knapp 30 Jahren insgesamt 10 Mal innnerhalb Kölns. Von einer Wohnung in die nächste. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Das einzige echte Kunstwerk, das ich besitze, eine Radierung, trägt den Titel „Die Frau auf Reisen“. Eine liebe Freundin nannte mich irgendwann einmal Stadtnomadin. Das bin ich.


Im Juni 2019

Die Welt, Yoga und ich … eine Bestandsaufnahme

Seit 1998 praktiziere ich Yoga. Begonnen habe ich mit Hatha, bis ich in meinem ersten Yoga-Urlaub in der Schweiz Kundalini Yoga kennenlernte. Und sofort fasziniert war. Von da an tauchte ich in die Welt des Kundalini Yoga ein und praktizierte ihn 20 Jahre unter Anleitung. Bis ich mich entschied, eine Ausbildung zur Yogalehrerin und -therapeutin zu absolvieren. Dies veränderte mein Leben noch einmal radikal.

Das beginnt bei „Äußerlichkeiten“ wie bei meinem Beruf, meiner Wohnung und beim Umgang mit anderen Lebewesen, geht über innere Einstellungen gegenüber dem Leben im Allgemeinen und im Speziellen bis hin zu meinen innersten Emotionen und meiner – bis dahin ungelebten – Spiritualität und Hochsensibilität.

So lebe ich seither weitestgehend vegan, was meine Ernährung betrifft, immer minimalistischer, was Besitz angeht, übe „Berufe“ aus, die tatsächlich Berufung sind und in denen sich viele meiner Fähigkeiten vereinen, pflege einen kleinen und feinen Freundeskreis und habe das spannende Konzept von Claus Eurich „Aufstand für das Leben“ für mich entdeckt, welches auf einem einfachen, gewaltfreien und am eigenen Gewissen orientierten Lebensstil basiert. Hier ist ein wichtiger Auszug aus seinem Manifest:

Wir leben in einer sehr besonderen Epoche der Menschheitsgeschichte und vermutlich entscheidet sich jetzt gerade die Zukunft unserer Gattung. Einerseits ist es nötig, sich ungeschönt all die negativen Entwicklungen vor Augen zu führen, zugleich aber auch Mut und Hoffnung zu bewahren. Denn die Zerbrechlichkeit unserer Lage ist die notwendige Voraussetzung für eine schöpferische Weiterentwicklung. Das mögliche Neue zeigt seine Konturen erst im Erfahren und Aushalten des Gegenwärtigen und damit in dem Mut, das Sein – so wie es ist – anzunehmen.

Eine bessere Zukunft ist möglich – für die Erde, für den Menschen, für jeden von uns. Doch um die Kraft dafür aufzubringen, müssen wir wissen, wohin wir gehen und wie wir leben wollen, wie wir Eintracht und Verbundenheit mit dem Leben an sich gestalten wollen. Was ist wünschbar und wertvoll, und was ist ungut und lebensfeindlich?

Wir brauchen neben der Liebe zum Leben in all seinen Facetten Klarheit und Entschiedenheit, um die notwendigen Schritte zu setzen. Und wir brauchen das Wissen darum, dass wir nicht allein sind auf diesem Weg, dass wir uns finden und begleiten, uns ermutigen und tragen. So können wir auch eine Einladung an immer mehr Menschen sein, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Wut über die Respektlosigkeit gegenüber aller Zerstörung des Lebens und das Leiden daran zu überwinden und sie zu verwandeln in mitfühlendes Tun.

In diesem Sinne haben wir uns auf den Weg gemacht. Wir sprechen von einem »Aufstand«. Damit ist gemeint: Wir stehen auf für die gelebte Solidarität mit allem Leben und allen Lebensformen. Wir zeigen Haltung, sehen nicht weg, verschweigen nicht, handeln klar, solidarisch und gewaltfrei, wo immer uns das möglich ist. Wir setzen dem lebensfeindlichen Denken und Handeln in unserer Kultur etwas entgegen: die liebevolle Verbundenheit mit allem Sein.

Dieser Aufstand ist still und kommt von Herzen. Er benötigt keine Medienpräsenz und keine konventionellen politischen Kampfformen. In ihm verbinden sich Menschen, die Entschiedenheit vereint, was die Analyse des Zustands unserer Erde betrifft und die Einsicht in notwendiges Handeln. Es sind Menschen, die von dem Anliegen geführt sind, die in unserer Zeit ein Licht sein wollen, im Bewusstsein der eigenen Schatten. Es sind Menschen, die sich als Diener des Lebens verstehen – in Verletzlichkeit und Konsequenz. Und sie leben im Bewusstsein spiritueller Beheimatung, eines tiefen Getragen- und Verbundenseins, ohne dies definieren zu müssen.

Dieses tiefe Getragen- und Verbundensein erlebe ich durch das Praktizieren von Yoga. Ich orientiere mich dabei an den alten Schriften, der Bhagavad Gita, den Yoga-Sutras von Patanjali und dem traditionellen Hatha Yoga, wie ich es von meinen beiden höchst kompetenten Lehrern gelernt habe.

Dass Yoga darüber hinaus eine heilende Wirkung hat, und zwar nicht nur auf körperlicher, sondern auch und vor allem auf der psychischen und emotionalen Ebene, habe ich erfahren, als ich mit einer tiefen Depression kämpfte. Ich hatte jegliche Hoffnung verloren, war voller Ängste und Zweifel, mein Selbstwertgefühl war nicht mehr vorhanden und der „schwarze Hund“ war mein ständiger Begleiter. In den schwärzesten Zeiten war ich noch nicht mal mehr in der Lage, zum Yogakurs zu gehen, obwohl ich genau wusste, wie gut er mir tut. Dank einer ganz hervorragenden Psychoanalytikerin, eines fachlich und menschlich herausragenden Psychiaters und meiner beiden allerliebsten Menschen – meinem Mann und meinem Sohn – schaffte ich es jedoch, mir Hoffnung, Antrieb und Lebenssinn zurückzuerobern.

Yoga half mir, meine innere Ruhe und Gelassenheit wiederzufinden, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu legen, mich als Teil eines Größeren zu erkennen und wahrzunehmen und das Vertrauen in das Leben zurückzugewinnen. Als Heilpraktikerin (Psychotherapie) und Yogalehrerin versuche ich nun, andere an meinen Erfahrungen, meinem Wissen, meinen Gedanken und meiner Hoffnung teilhaben zu lassen. Menschen, die auf der Suche sind, einen Raum zu geben, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen machen, sich entfalten und aufblühen dürfen. In dem sie zu sich und ihr Glück finden und ganz sie selbst sein dürfen. Getragen von Respekt, Wertschätzung und Wohlwollen.

Don’t practice Yoga to get better at Yoga.
Practice Yoga to get better at living.