YOGA LEBEN

13. April 2021

Traumatherapie und Somatic Experience

Mittlerweile sind alle äußeren Verletzungen weitestgehend verheilt, die Fäden gezogen, das Leben hat fast wieder seinen normalen Gang aufgenommen … doch die Erinnerung bleibt weg. Einfach ein dunkler Fleck auf der inneren Landkarte. Irgendwie unheimlich.

Die Traumatherapeutin aus der Klinik hatte mir empfohlen, Somatic Experience auszuprobieren, um über den Körper das Trauma des Unfalls zu bearbeiten und erträglich zu machen. Nicht ständig darüber zu grübeln, was wohl passiert ist, sondern Frieden zu schließen mit dem dunklen Fleck und der Unsicherheit, die damit verbunden ist.

Letzte Woche war ich bei der von ihr empfohlenen Somatic Experience-Therapeutin. Für mich als durchpsychoanalysierten Menschen, der alles über den Verstand lösen möchte, war es eine interessante Erfahrung … Gefühle nicht anschauen und durchleuchten, sondern spüren und hineinfühlen. Bilder für die Gefühle finden und diese im Körper lokalisieren. Und dann diese Bilder willkommen heißen, als Teil von mir.


10. März 2021

Was will mir das Leben gerade mitteilen?

Das verrückte Coronajahr 2020 scheint noch nicht gereicht zu haben, das Leben möchte mir etwas mitteilen …. aber was?

Letzten Mittwoch hatte ich einen Unfall. Mit meinem Roller „Raimund“. Und ich weiß nichts mehr. Alles ist schwarz. Aufgewacht bin ich auf der Intensivstation. Beim ersten Anblick im Spiegel ein kleiner Schock: Viele Verletzungen und Krusten im Gesicht, genäht an Augenlid und Kinn. Und keinerlei Erinnerung an das, was passiert ist.

Die Ärztin erklärt mir zum dritten Mal, warum ich im Krankenhaus liege. Dann kann ich es mir endlich merken. Das Atmen fällt schwer, die linke Seite meines Brustkorbs ist geprellt und überhaupt tut alles weh. Aber ich habe Glück gehabt: Es ist nichts gebrochen und keine bleibenden Schäden, wie es aussieht.

Aber was ist passiert? Wer hat mich gefunden? Gibt es andere Beteiligte? Was ist mit meinem heißgeliebten Rollerchen? Fragen über Fragen, die sich zum Teil schon beantwortet haben, der andere Teil wird vielleicht für immer im Dunkeln bleiben. Wer weiß …

Nach drei Tagen Überwachung und Beobachtung wurde ich schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Krusten fallen langsam ab, das Atmen wird leichter … und mit Hilfe einer Traumatherapeutin werde ich versuchen, das Erlebte und vielleicht auch das Nicht-Erinnern-Können zu verarbeiten.


01. März 2021

Auf der Parzelle, in der Sonne

Endlich wieder am Wiesenhaus. Zurück auf der kleinen Parzelle. Alle lieben Nachbar*innen gesehen, gesprochen, News ausgetauscht, Kaffee getrunken und gefreut :-).
Die Sonne scheint, der Rhein fließt ruhig in seinem Bett und die Vorfreude auf den Frühling und den Sommer steigt …


26. Februar 2021

Zurück nach Hause

Genau 1 Jahr, nachdem ich mich um eine Parzelle auf dem Campingplatz „beworben“ hatte, ist nun vergangen. Und im Rückblick stelle ich fest, dass dieses ereignisreiche, total verrückte Corona-Jahr auch mit mir ganz viel gemacht hat: Ich war happy, enttäuscht, wütend, genervt, freudig, gelassen, angekommen … die halbe Gefühlspalette hoch und runter. Nun sitze ich in meiner „Hochwasser-Ausweich-Wohnung“ (DANKE, liebe Alina und lieber Dieter, dass ihr mir ein Zuhause auf Zeit gegeben habt!), sammel meine sieben Sachen zusammen und freue mich total darauf, am Wochenende wieder nach Hause zu ziehen. An den Fluss, auf meine kleine Parzelle, mit meinen tollen Nachbar*innen, mit Herrn Reuter und bald dann mit Nirvana, dem schönsten Tiny House der Welt ;-).


23. Februar 2021

Vorbereitung für die Rückkehr

Das herrliche Wetter am Sonntag haben wir dazu genutzt, unsere Parzelle wieder auf Vordermann zu bringen … festgebackenen Schlamm wegkratzen, Terrasse fegen und die Wiese bzw. den Garten von angeschwemmten Treibgut befreien. Nächsten Samstag geht es zurück nach Hause. Für Herrn Reuter und für mich.

Und während ich diese Woche einen neuen Job als Yogalehrerin in einer Tagesklinik begonnen habe, baut Mister T. fleißig am Tiny House weiter.

Der Technikraum det Janzen: die Deichselkiste.

15. Februar 2021

Erstes Hochwasser und Corona überstanden

Letzter Tag der Quarantäne … morgen geht hoffentlich das „normale“ Leben wieder los. Ob wir allerdings Herrn Reuter schon am kommenden Wochenende wieder auf seine Parzelle ziehen, ist noch nicht sicher. Was ist, wenn eine 2. Hochwasserwelle kommt? Und wir wieder den Platz räumen müssen? Wir warten lieber noch ein bisschen …


10. Februar 2021

Das Leben ist (k)ein langer ruhiger Fluss

Während ich es in Aachen trocken und warm habe, stieg das Hochwasser weiter. Selbst meine Parzelle, die auf dem Campingplatz mit am höchsten liegt, steht komplett unter Wasser.

Und weil ich nach der ganzen Platzräumungsaktion am Samstag und Sonntag etwas Kopf- und Halsweh hatte, bin ich vorsichtshalber – und meiner Intuition folgend – am Freitag in Aachen zum Coronatest gegangen. Samstagabend war klar: Ich habe mich angesteckt! Mit Covid-19. OMG!

Was dann für eine Maschinerie losging, hatte ich nicht erwartet: Anrufe von Gesundheitsämtern (Köln, weil ich dort als wohnend gemeldet bin; Aachen, weil ich dort den Test gemacht habe); Listen ausfüllen mit Kontaktpersonen; Menschen anschreiben, mit denen ich Samstag und Sonntag Kontakt hatte; alle in Quarantäne per städtischer Verordnung …

Zum Glück scheine ich niemanden angesteckt zu haben, meine liebsten Menschen haben direkt Schnelltests gemacht (und sind alle negativ!) und ich selbst habe nur leichte Erkältungssymptome. Auch Mister T. hat sich – seltsamer- und glücklicherweise – nicht bei mir angesteckt, muss aber als meine engste Kontaktperson mit mir in Quarantäne. Der Weiterbau meines Tiny Homes muss also ein bisschen warten …

Küchenblock mit Heizung
Hanfdämmung

4. Februar 2021

Hier kommt die Flut

Am Sonntag war es tatsächlich das erste Mal soweit: Hochwasser naht, der Campingplatz musste bis abends komplett geräumt werden.

Zum Glück habe ich einen hilfsbereiten und zuverlässigen Sohn, der angepackt hat!

Und nicht nur mein Sohn, sondern auch mein allerliebster Cousin sowie liebe Freundinnen, die anderen Bewohner*innen und selbstverständlich mein Mann haben geholfen, wo sie konnten. So durfte ich meinen E-Roller „Raimund“ in einer Garage in der Südstadt unterstellen, der Wohnwagen „Herr Reuter“ wurde nach Rath in einen trockenen Vorgarten gezogen und ich selbst bin mit ein paar Taschen mit den notwendigsten Sachen nach Aachen.

Später bekamen wir dann per Bild Updates zum Hochwasser von unserem Platzwart, der tapfer die Stellung am Wiesenhaus hält:


27. Januar 2021

Es wird spannend

Das Leben so nah am Rhein hat auch seinen Preis: Bei Hochwasser muss der Platz geräumt werden.

Die Prognose sagt für nächste Woche Rheinhochwasser voraus, das bedeutet für uns Bewohner*innen, dass wir den Campingplatz komplett räumen und auf einen Ausweichplatz ziehen müssen. Ganz schön aufregend für uns Neuen, die den ganzen Brassel das erste Mal mitmachen!

Heute Abend setzen wir uns zusammen und besprechen, was zu planen und zu tun ist …


17. Januar 2021

Winter am Rhein

Der erste Schnee … gut, dass die Heizung im Wohnwagen funktioniert!


8. Januar 2021

Nirvanas Innenleben


21. Dezember 2020

Wintersonnenwende

Heute ist Wintersonnenwende, die längste und dunkelste Nacht des Jahres … was gleichzeitig bedeutet, dass ab heute die Tage wieder länger werden. Und heute beginnt die magische Zeit der Rauhnächte!

Eine Zeit der Besinnung, Rückschau, Einkehr, des Loslassens, des Zu-sich-kommens und des Neubeginns.

Was möchtest du im alten Jahr hinter dir lassen und was möchte im neuen Jahr ans Licht?

Bei mir ist es meine Selbstständigkeit als Yogalehrerin, die noch einmal deutlich nach vorn möchte. Davon – auch materiell – leben können, was mein Herz berührt und mir so viel gibt: praktizieren, unterrichten, meditieren. Gemeinsam.

Namasté


Im Dezember 2020

Es geht voran

Während ich weiter an meiner Selbstständigkeit als Yogalehrerin und -therapeutin feile, ist Mister T. fleißig beim Hausbau: Schlafzimmer- und Küchenfenster sind drin!


Im Oktober 2020

Endlich von der ZPP zertifiziert

Im Oktober bekam ich endlich den positiven Bescheid von der Zentralen Prüfstelle Prävention, dass meine Yogakurse zertifiziert sind und die Teilnahmegebühren teilweise oder sogar ganz von den Krankenkassen erstattet werden können. Was für eine Freude!


Im September 2020

Ein neues Zuhause für Yoga

Nachdem Corona das ganze Leben irgendwie über den Haufen warf, Pläne, die ich Ende 2019 noch geschmiedet hatte, nun irgendwie nicht mehr passten, entschloss ich mich im August, ein neues Zuhause auch für meine Yoga-Angebote zu suchen. Und wieder fügte es sich.

Ich schaute mir einen Raum in der Südstadt an, fand den Ver- und Mitmieter auf Anhieb megasympathisch und bezog zum 1.9. den „feel Freiraum“ am Severinskirchplatz 8.

Es etablierten sich dort recht schnell zwei Yogakurse dienstagsabends, so dass es ab 2021 zwei weitere Yogakurse mittwochsabends geben wird.

Außerdem akquirierte ich einen weiteren Unternehmenskunden, für den ich im hauseigenen Studio Yoga anbiete. Yoga nimmt also nach und nach einen immer größeren Platz auch in meinem Jobleben ein.


August bis November 2020

Das Tiny House wächst und gedeiht

Zum Geburtstag wünschte ich mir dann eine Trocken-Trenn-Toilette für mein Haus. Was definitiv die beste Lösung für ein Haus ohne Frisch- und Abwasseranschluss ist. Und zack, war sie schon angekommen und probeweise am dafür vorgesehenen Örtchen aufgestellt. 😉

Und am 3. September feierten wir Richtfest. Der Architekt, Schreiner, Planer und Erbauer, die One-Man-Show Mister T. und ich (die Bauherrin) ließen die Korken knallen, Torsten hielt eine sehr schöne Rede, die Champagnergläser zerdepperten wir – wie es sich gehört – an der Deichsel des Trailers. Alles in allem ein sehr bewegender Moment!


17. Juli 2020

Vom Papier auf die Straße

Endlich ging’s los: Trailer (Anhänger) gekauft, angemeldet und dann los nach Hamburg, das Fundament meines Hauses abholen. Wir brachten den Trailer direkt nach Aachen, in die Halle, in der auch der Hausbau stattfinden würde.

Da ich über den Namen für mein Tiny House nicht lange nachdenken musste, war auch das Wunsch-Kennzeichen für den Trailer schnell klar: Yoga Nirvana und selbstverständlich die 108! 🙂


Im Mai 2020

Easy like Sunday Morning – SonntagsYoga auf der Wiese

Da ich als Yogalehrerin im Lockdown erst einmal arbeitslos wurde und viel freie Zeit hatte, konnte ich mich richtig auf mein neues Leben auf dem Campingplatz einlassen. Ich überließ meinem Sohn unsere bis dahin gemeinsame Wohnung, packte meine Sachen und zog richtig auf die andere Rheinseite. In den Herrn Reuter, der so klein ist, dass mir das Tiny House wie ein Palast vorkommen wird. Ich bin sicher.

Gleichzeitig fragte mich die Platzverwalterin, ob ich nicht OutdoorYoga anbieten wolle, sonntagsmorgens auf der Wiese vor dem Café. Mal sehen, wie der Zulauf würde. … und der Zulauf war riesig! Von da an fand jeden Sonntag von 10.00 bis 11.00 Uhr Yoga auf der Wiese statt. Das Wetter spielte einwandfrei mit und es kamen immer mindestens 10, manchmal sogar fast 30 Menschen, die mit mir Yoga praktizieren wollten. Wie toll war das denn? Ich war sehr dankbar, meinen Herzensjob wieder/weiter ausüben zu können. Dazu noch an so einem magischen Ort mit Blick auf den Rhein und netten Menschen. Traumhaft!


Im Lockdown 2020

Was Kurzarbeit mit Tiny Houses zu tun hat

Platz gesichert, nun musste also ein Tiny House her. Campingplatzmitbesitzer Moritz und seine Frau Wibke hatte ich ja schon kennengelernt, sie waren dabei, Tiny Houses zu entwickeln und wollten bald beginnen, in Kooperation mit einer Schreinerei ihre Entwürfe zu bauen und zu verkaufen. Ich war von den beiden so begeistert, dass ich sofort bei ihnen mein Tiny House bestellen wollte. Ein langes und schönes Treffen bestätigte mich. Doch dann kam wieder alles anders.

Mein Mann, Schreiner und Architekt, Projektleiter in einer Messebaufirma, wurde in Kurzarbeit geschickt. Alle Aufträge waren weggebrochen, es gab erst einmal nichts für ihn zu tun. Was lag da näher, als ihm den „Auftrag“ zu geben, mein Tiny House zu bauen? Gesagt, getan … los ging es mit der Planung und dem Entwurf.

Ich wollte auf jeden Fall keine 2. Wohn-/Schlafeben haben, sondern alles auf einer Ebene: Bad, Schlafzimmer, Küche, Wohnbereich. Und da die Grundfläche einerseits durch die Straßenverkehrordnung vorgegeben ist, andererseits klar war, dass auf diesem Campingplatz nur Häuser mit einer maximalen Gesamtlänge von 9 Metern rangieren und aufgestellt werden können, beträgt die maximale Grundwohnfläche 2,50 x 7,20 m … also etwa 15 Quadratmeter. DAS ist wirklich TINY!


Im April 2020

Noch ein Umzug

Es war heiß in Lockdown-Zeiten. So heiß, dass wir gleich kühlen Schatten auf der Parzelle vermissten. Und beim Blick aus dem Schlafzimmer-Fenster fiel mein Blick jeden Morgen auf die Parzelle zwei Grundstücke weiter. Ein Grundstück mit Bäumen, Sonne am Morgen, Schatten am Mittag und Sonne am Abend. Schnell verguckte ich mich in das andere Grundstück und wir durften ein Wochenende dort probewohnen. Der Umzug war schnell bewerkstelligt, der kleine Herr Reuter mit vereinten Kräften auf den neuen Platz geschoben. 5 Minuten später wusste ich: Das ist mein Platz!


Erster Corona-Lockdown 2020

Vom Glück in Zeiten von Corona

Mittlerweile war Corona in Deutschland angekommen und der erste Lockdown drohte. Mein Mann meldete den Wohnwagen direkt an und brachte ihn rasch zum Campingplatz. Zwei Tage später wurde der erste Lockdown verordnet und nichts ging mehr. Wir saßen auf der Terrasse unserer Parzelle, vor Herrn Reuter, die Sonne schien, wir hatten freien Blick auf den Rhein. Ich konnte mein Glück kaum fassen.


Im März 2020

108 und Herr Reuter

Es war zwar nicht Liebe auf den ersten Blick, aber mir wurde in Aussicht gestellt, dass ich auch noch innerhalb des Campingplatzes umziehen könne, wenn mir der Platz doch nicht behagte. Also unterschrieb ich schnellentschlossen den Mietvertrag für die Parzelle. Den Schlüssel für das Tor zum Platz bekam ich ein paar Tage später. Und als Yogini war ich natürlich extrem erfreut, als ich feststellte, dass er die Schlüsselnummer 108 trug.

108 als „heilige“ Zahl im Yoga.
Eine Mala besteht aus 108 Perlen.

1 bedeutet „thing“, 0 gleich „nothing“ und 8 gleich „everything“.
Oder auf deutsch „etwas“, „nichts“, „alles“.

Wenn DAS kein Zeichen war!

Und es ging noch weiter. Da ich ja noch kein Tiny House besaß, schlug die Platzverwalterin vor, bis zum Eintreffen meines Hauses einen Wohnwagen auf die Parzelle zu stellen, um den Platz wenigstens schon einmal nutzen zu können. Ich rief meinen Mann an, um mit ihm zu beratschlagen, woher wir – als totale Wohnwagen-Neulinge – auf die schelle einen günstigen funktionierenden Wohnwagen herbekommen könnten. Und er sagte: „Ich sitze am Schreibtisch und schaue aus dem Fenster direkt auf einen Wohnwagen, der zu verkaufen ist.“ Er kaufte den Wohnwagen am nächsten Tag für einen extrem fairen Preis.

Beim Blick in die Papiere stellten wir fest, dass der Wagen 1970 von Wolfgang Reuter selbst gebaut wurde. Und er hat ihn 50 Jahre lang gehegt und gepflegt. Mit 80 Jahren hatte er dann wohl beschlossen, den Wohnwagen zu verkaufen. Der Wagen war trocken und roch, selbst nachdem er ein halbes Jahr bei jedem Wetter draußen auf einen neuen Besitzer gewartet hatte, wie frisch geputzt. Wir waren sofort schockverliebt in diesen kleinen Wohnwagen. Und selbstverständlich tauften wir ihn „Herr Reuter“.


Im Februar 2020

Das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Ich bin nicht abergläubisch, aaaaaber … von da an fügte sich alles zusammen. Wie in großes Puzzle, das nur darauf gewartet hatte, dass ich das erste Puzzlestück lege.

Am 18. Geburtstag meines Sohnes hatte ich einen Gesprächstermin mit derjenigen, die den Campingplatz verwaltet. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und kurze Zeit später rief sie mich an, um mir zu sagen, dass sie einen Platz für mich habe. Ab 15. März. Noch am selben Tag fuhr ich hin und sah mir die Parzelle an:


Im Januar 2020

Tiny House ist die Lösung

Dann kam im Januar 2020 eine WhatsApp von einer anderen lieben Freundin, mit der ich über meinen Traum, möglichst auf kleinem Raum und nah am Wasser zu wohnen, gesprochen hatte. Im Rahmen der „Passagen“ bot ein Campingplatz auf der rechten Rheinseite einen Tiny-House-Bau-Workshop an, da er sich als Lebensort für Tiny House-Besitzer bekannt machen wollte. Ich war sofort begeistert. Ein Tiny House, na klar, das ist DIE Alternative zum Hausboot!

Sofort nahm ich Kontakt zum Campingplatz auf und schaffte es doch erst am letzten Workshoptag, dort vorbeizuschauen. Im Café traf ich auf Wibke, eine Architektin, die Tiny Houses plant und deren Lebensgefährte Moritz einer der vier neuen Campingplatzbesitzer ist. Mit ihr hatte ich ein supernettes Gespräch und sie riet mir, mich unbedingt um eine Parzelle zu bewerben, auch wenn die Warteliste sehr lang sei. Mein Name stand also als letzter auf der langen, langen Interessentenliste. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf …


gefühlt schon immer

Die Stadtnomadin träumt vom Leben auf einem Hausboot

Schon seit ich ein Kind war und das erste Mal den Film „Hausboot“ mit Sophia Loreen und Cary Grant gesehen habe, träume ich davon, auf einem Hausboot zu leben. In einem Bett einzuschlafen, das sanft auf den Wellen schaukelt. Da ist die Tatsache, direkt an einem großen Fluss zu wohnen, gar keine schlechte Voraussetzung. Dachte ich. Doch so einfach ist das in Köln nicht. Und so begnügte ich mich lange damit, in einer Altbau-Wohnung im Kölner Süden, eben so nah am Wasser wie möglich und gleichzeitig so schön wie möglich, zu wohnen.

Außerdem faszinierten mich schon immer Themen wie Minimalismus, Wohnen auf kleinem Raum, wenig Besitz, viel und weit reisen. Ich war so oft es ging unterwegs. Und wenn ich nicht in fremde Länder gereist bin, bin ich umgezogen. Innerhalb von knapp 30 Jahren insgesamt 10 Mal innnerhalb Kölns. Von einer Wohnung in die nächste. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Das einzige echte Kunstwerk, das ich besitze, eine Radierung, trägt den Titel „Die Frau auf Reisen“. Eine liebe Freundin nannte mich irgendwann einmal Stadtnomadin. Das bin ich.


Im Juni 2019

Die Welt, Yoga und ich … eine Bestandsaufnahme

Seit 1998 praktiziere ich Yoga. Begonnen habe ich mit Hatha, bis ich in meinem ersten Yoga-Urlaub in der Schweiz Kundalini Yoga kennenlernte. Und sofort fasziniert war. Von da an tauchte ich in die Welt des Kundalini Yoga ein und praktizierte ihn 20 Jahre unter Anleitung. Bis ich mich entschied, eine Ausbildung zur Yogalehrerin und -therapeutin zu absolvieren. Dies veränderte mein Leben noch einmal radikal.

Das beginnt bei „Äußerlichkeiten“ wie bei meinem Beruf, meiner Wohnung und beim Umgang mit anderen Lebewesen, geht über innere Einstellungen gegenüber dem Leben im Allgemeinen und im Speziellen bis hin zu meinen innersten Emotionen und meiner – bis dahin ungelebten – Spiritualität und Hochsensibilität.

So lebe ich seither weitestgehend vegan, was meine Ernährung betrifft, immer minimalistischer, was Besitz angeht, übe „Berufe“ aus, die tatsächlich Berufung sind und in denen sich viele meiner Fähigkeiten vereinen, pflege einen kleinen und feinen Freundeskreis und habe das spannende Konzept von Claus Eurich „Aufstand für das Leben“ für mich entdeckt, welches auf einem einfachen, gewaltfreien und am eigenen Gewissen orientierten Lebensstil basiert. Hier ist ein wichtiger Auszug aus seinem Manifest:

Wir leben in einer sehr besonderen Epoche der Menschheitsgeschichte und vermutlich entscheidet sich jetzt gerade die Zukunft unserer Gattung. Einerseits ist es nötig, sich ungeschönt all die negativen Entwicklungen vor Augen zu führen, zugleich aber auch Mut und Hoffnung zu bewahren. Denn die Zerbrechlichkeit unserer Lage ist die notwendige Voraussetzung für eine schöpferische Weiterentwicklung. Das mögliche Neue zeigt seine Konturen erst im Erfahren und Aushalten des Gegenwärtigen und damit in dem Mut, das Sein – so wie es ist – anzunehmen.

Eine bessere Zukunft ist möglich – für die Erde, für den Menschen, für jeden von uns. Doch um die Kraft dafür aufzubringen, müssen wir wissen, wohin wir gehen und wie wir leben wollen, wie wir Eintracht und Verbundenheit mit dem Leben an sich gestalten wollen. Was ist wünschbar und wertvoll, und was ist ungut und lebensfeindlich?

Wir brauchen neben der Liebe zum Leben in all seinen Facetten Klarheit und Entschiedenheit, um die notwendigen Schritte zu setzen. Und wir brauchen das Wissen darum, dass wir nicht allein sind auf diesem Weg, dass wir uns finden und begleiten, uns ermutigen und tragen. So können wir auch eine Einladung an immer mehr Menschen sein, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Wut über die Respektlosigkeit gegenüber aller Zerstörung des Lebens und das Leiden daran zu überwinden und sie zu verwandeln in mitfühlendes Tun.

In diesem Sinne haben wir uns auf den Weg gemacht. Wir sprechen von einem »Aufstand«. Damit ist gemeint: Wir stehen auf für die gelebte Solidarität mit allem Leben und allen Lebensformen. Wir zeigen Haltung, sehen nicht weg, verschweigen nicht, handeln klar, solidarisch und gewaltfrei, wo immer uns das möglich ist. Wir setzen dem lebensfeindlichen Denken und Handeln in unserer Kultur etwas entgegen: die liebevolle Verbundenheit mit allem Sein.

Dieser Aufstand ist still und kommt von Herzen. Er benötigt keine Medienpräsenz und keine konventionellen politischen Kampfformen. In ihm verbinden sich Menschen, die Entschiedenheit vereint, was die Analyse des Zustands unserer Erde betrifft und die Einsicht in notwendiges Handeln. Es sind Menschen, die von dem Anliegen geführt sind, die in unserer Zeit ein Licht sein wollen, im Bewusstsein der eigenen Schatten. Es sind Menschen, die sich als Diener des Lebens verstehen – in Verletzlichkeit und Konsequenz. Und sie leben im Bewusstsein spiritueller Beheimatung, eines tiefen Getragen- und Verbundenseins, ohne dies definieren zu müssen.

Dieses tiefe Getragen- und Verbundensein erlebe ich durch das Praktizieren von Yoga. Ich orientiere mich dabei an den alten Schriften, der Bhagavad Gita, den Yoga-Sutras von Patanjali und dem traditionellen Hatha Yoga, wie ich es von meinen beiden höchst kompetenten Lehrern gelernt habe.

Dass Yoga darüber hinaus eine heilende Wirkung hat, und zwar nicht nur auf körperlicher, sondern auch und vor allem auf der psychischen und emotionalen Ebene, habe ich erfahren, als ich mit einer tiefen Depression kämpfte. Ich hatte jegliche Hoffnung verloren, war voller Ängste und Zweifel, mein Selbstwertgefühl war nicht mehr vorhanden und der „schwarze Hund“ war mein ständiger Begleiter. In den schwärzesten Zeiten war ich noch nicht mal mehr in der Lage, zum Yogakurs zu gehen, obwohl ich genau wusste, wie gut er mir tut. Dank einer ganz hervorragenden Psychoanalytikerin, eines fachlich und menschlich herausragenden Psychiaters und meiner beiden allerliebsten Menschen – meinem Mann und meinem Sohn – schaffte ich es jedoch, mir Hoffnung, Antrieb und Lebenssinn zurückzuerobern.

Yoga half mir, meine innere Ruhe und Gelassenheit wiederzufinden, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu legen, mich als Teil eines Größeren zu erkennen und wahrzunehmen und das Vertrauen in das Leben zurückzugewinnen. Als Heilpraktikerin (Psychotherapie) und Yogalehrerin versuche ich nun, andere an meinen Erfahrungen, meinem Wissen, meinen Gedanken und meiner Hoffnung teilhaben zu lassen. Menschen, die auf der Suche sind, einen Raum zu geben, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen machen, sich entfalten und aufblühen dürfen. In dem sie zu sich und ihr Glück finden und ganz sie selbst sein dürfen. Getragen von Respekt, Wertschätzung und Wohlwollen.

Don’t practice Yoga to get better at Yoga.
Practice Yoga to get better at living.